Der Justizwachtmeisterlehrgang

Zur landesweiten Vereinheitlichung der Zulassungsvoraussetzungen für die Beamtenlaufbahn des einfachen Justizdienstes wurde im Jahre 1989 der "Fachtheoretische Lehrgang für Nachwuchskräfte des Justizwachtmeisterdienstes" ins Leben gerufen.

An Unterrichtsinhalten wurden zunächst vermittelt
  • Verfassungs- und Beamtenrecht
  • Gerichtsorganisation
  • Sitzungs-, Vorführungs-, Sicherheits- und Ordnungsdienst
  • Ausübung unmittelbaren Zwangs
  • Bestimmungen Schusswaffen
  • Dienstordnung
  • Grundkenntnisse in Erster Hilfe
  • Zustellungswesen
  • Gesundheitswesen
  • Psychologie
  • Aktenordnung

Dieses Pensum den Teilnehmern nahe zu bringen, stellte die sämtlich nebenamtlichen Lehrkräfte vor zum Teil erhebliche fachliche und pädagogische Probleme, setzte sich doch der Kreis der Zuhörer und späteren Prüflinge sowohl aus Handwerkern und Arbeitern, die seit Jahr(-zehnt)en ohne theoretische Belastungen ihren Tätigkeiten nachgingen, ebenso zusammen wie aus Diplombiologen und Juristen mit erstem Staatsexamen.

Mitte des Jahres 1999 wurde das Sicherheitskonzept Nordrhein-Westfalen, in dem der Justizwachtmeister eine gewichtige Rolle spielt, entworfen. Die seinerzeitige JAFS Monschau erhielt den Auftrag, kurzfristig ein Konzept zur Umsetzung der neuen Anforderungen in fachtheoretischer und nun teil­weise auch fachpraktischer Hinsicht zu entwerfen. Das Ergebis war eine erhebliche zeitliche Ausdehnung des Lehrgangs auf zunächst  5 Wochen und ab dem Jahr 2000 auf 8 Wochen.

Die angehenden Beamtinnen und Beamten des Justizwachtmeisterdienstes erhalten nun eine stark an hoheitlichen Aufgaben orientierte fachtheoretische Ausbildung mit besonderem praktischen Bezug in den Fächern "Eigen- und Fremdsicherung", "Psychologie" und "Eingangskontrollrecht".

 

 

Der neue Lehrstoffplan stellt sich wie folgt dar:
  • Sitzungs-, Vorführungs-, Sicherheits- u. Ordnungsdienst, 30 Stunden
  • Ausübung und Grenzen unmittelbaren Zwangs in Theorie und Praxis, 9 Stunden
  • Zustellungsrecht, 21 Stunden
  • Vermittlung grundlegender Rechtskenntnisse, 20 Stunden
  • Grundzüge der Psychologie (Deeskalierende Kommunikation), 20 Stunden
  • Staatsrecht und öffentliches Dienstrecht, 15 Stunden
  • Gerichtsorganisation, 14 Stunden
  • Gesundheitsfürsorge, 2 Stunden
  • Eigen- und Fremdsicherung, 30 Stunden
  • Erste Hilfe (Betriebshelfer), 9 Stunden
  • Praktische und theoretische Einweisung in Strahlenschutz, 10 Stunden
  • Eingangskontrolle mit dem Schwerpunkt Gepäckdurchleuchtung, 8 Stunden
  • Umgang mit Funkgeräten, 3 Stunden
  • Waffenrecht und Waffenkunde, 10 Stunden
  • Dienstordnung, 4 Stunden

Somit sind alle Grundlagen für einen erfolgreichen Einsatz eigener gut ausgebildeter und motivierter Kräfte im Rahmen des Sicherheitskonzepts Nordrhein-Westfalen gegeben. Die - in diesem Zusammenhang - umgesetzte "Bereinigung" der von Beamten wahrzunehmenden Aufgaben außerhalb des hoheitlichen Bereichs dürfte Vorbildcharakter auch in anderen Tätigkeitsfeldern des öffentlichen Dienstes haben.

Das AZJ NRW und die Lehrkräfte des "fachtheoretischen Lehrgangs für Nachwuchskräfte des Justizwachtmeisterdienstes NRW" sehen es als ihre Aufgabe an, diesen Prozess in jeder Hinsicht nach Kräften zu unterstützen; der Justizwachtmeisterdienst wird auch künftig aufgrund einer zielgerichteten Personalauswahl und einer fundierten fachtheoretischen Ausbildung, die durch entsprechende Fortbildung vertieft wird, in der Lage sein, die innere Sicherheit der Justizeinrichtungen merkbar zu erhöhen und die weiteren hoheitlichen Aufgaben sicher zu erfüllen.